Ivan Generalic
(1914-1992/ Kroatien)
Hinterglasmalerei:
Der Tod von Mirko Virius

Ein toter Mann liegt auf einer Wiese. Kerzen brennen. Ein bunter Hahn.
Als ich das Bild vor 30 Jahren zum ersten Mal sah, war ich tief beeindruckt.
"So möchte ich einmal sterben." Damals wußte ich noch nicht, daß Virius in einem KZ umgekommen ist. Vorsichtig habe ich das kleine Foto gelöst und in einem Rahmen an die Wand gehängt. 2001 konnte ich endlich wieder arbeiten. Der Virius war die erste Skulptur, die ich nach 20 Jahren Unter-brechung gemacht habe.

G. Schumann

Mirko Virius aus meinem Nachbardorf Djelekovac ist ein Bauernmaler und mein Freund von klein auf. Im Krieg wurde er in ein Lager gesperrt, und vermutlich 1942 ist er in Temun gestorben oder erschossen worden. Das war das Ende seines Lebens, noch ziemlich jung. Ich wußte nicht wie ich ihm nach seinem Tode dankbar erweisen, was für ein Denkmal ich ihm setzen sollte - und 1959 dachte ich mir aus, ihn auf grünem Rasen zu betten. Mit roter Flamme brennen die Kerzen. links sind dei Lagerinsassen, die um ihn weinen, und ein Hahn ist auch da, als Freund des Menschen. Es ist Mirkos Hahn, der gekommen ist, um sich vor ihm zu verneigen; er reckt den Kopf vor, wie um dem Toten was zu sagen. Als wolle er sich bedanken.daß der ihn so liebevoll genährt und gehütet hat. Andererseits spricht dieser Hahn auf dem Bild mit schönen Farben zu uns, und das brauche ich. Diese Farbe war für mich absolut notwendig, so daß ich sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlug: Ich brachte diesen Hahn aus der Podravina zu seinem Herrn, damit er ihm als sein Freund nahe sei, und ich erzielte schöne Farben. Da dieses Lager in der Nähe des Flusses Sava liegt, machte ich auch Wasser und Gebüsch. So - das war meine Idee, als ich darüber nachdachte, was ich tun könnte für meinen Freund, mit dem ich die Träume der Jugend geteilt habe.
I.G.